Heute hat der Koalitionsausschuss der Bundesregierungen ein ‚Reformpaket für Wachstum und Beschäftigung‘ vorgestellt, welches auch sozial- und steuerpolitische Auswirkungen haben wird. Eine der Maßnahmen sieht die Rücknahme der telefonischen Krankmeldung und die Wiedereinführung von ärztlichen Attesten ab dem ersten Krankheitstag vor.
„Unser System in Gänze kaputtsparen, Reformen verweigern und jetzt auch noch Krankschreibungsregelungen zu verschärfen, das wird früher oder später zum Crash unseres Gesundheitssystems führen.
Versorgungsbereiche wie die Psychotherapie, die Heilmittelerbringung und andere bangen aktuell um ihre Existenzen, von bedarfsgerechter Versorgung ist spätestens nach dem Beitragsstabilisierungsgesetz gar nicht mehr die Rede. Unter dem Deckmantel der Beitragsstabilität schränkt die Bundesregierung die ohnehin schon nicht ausreichende Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ein. Dass die Beiträge dadurch maximal kurzfristig stabilisiert werden, weil verschleppte Erkrankungen und nicht erbrachte Gesundheitsleistungen mindestens mittelfristig zu höheren Kosten und damit Beiträgen führen wird, ist eigentlich jetzt schon klar.
Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und die Möglichkeit, erst nach drei Tagen eine ärztliche Bescheinigung vorlegen zu müssen, haben nicht zu mehr Krankschreibungen geführt, sondern die hausärztlichen Praxen spürbar entlastet. Wer nun Millionen Menschen mit leichten und selbstlimitierenden Erkrankungen allein für einen bürokratischen Nachweis in die Praxen zwingt, verschwendet ärztliche Zeit und verschärft die ohnehin dramatische Versorgungslage. Die Folge sind vollere Wartezimmer, längere Wartezeiten und weniger Zeit für diejenigen Patientinnen und Patienten, die tatsächlich medizinische Hilfe benötigen. Diese Regelungen sind keine Gesundheitspolitik, sondern faktenfreie Symbolpolitik auf Kosten der Beschäftigten, der Praxisteams und der Versorgung.“