Am Nordufer der Trave, gegenüber des historischen Fischereidorfs Gothmund und des Naturschutzgebiets Schellbruch, wird derzeit die Erweiterung der Hafenanlagen des „Lehmannkai 1“ geplanten. Dazu liegt ein Antrag auf Genehmigung der Hafenerweiterung bei der zuständigen Planfeststellungsbehörde des Landes vor, für den nach ersten Erwiderungen mit einer Entscheidung im Laufe dieses Jahres gerechnet wird.
Bei einem vor Ort Besuch mit meiner Landtagskollegin und Verkehrspolitikerin, Nelly Waldeck, haben wir uns über die Auswirkungen auf die Anwohnenden, die Umwelt und die Verkehrsentwicklung mit den Bürgerinitiativen „Lehmannkai 1+ nein danke“ und „Rettet Gothmund“ ausgetauscht.
Ich finde: „Gothmund ist ein einzigartiges Fischereidorf mit einer über Jahrhunderte gewachsenen Geschichte von besonderem kulturellem Wert. Gemeinsam mit dem Schellbruch dient es den Lübecker*innen als wichtiges Naherholungsgebiet und besitzt eine hohe touristische Bedeutung. Diese Räume, die Mensch und Tier gleichermaßen dienen, gilt es zwingend zu erhalten.
Die geplante Erweiterung des Lehmannkais würde diesen besonderen Ort massiv beeinträchtigen – durch zusätzlichen Lärm im Hafenbetrieb, erhöhte Staubemissionen beim Be- und Entladen und Umweltbelastungen durch den zunehmenden Schiffsverkehr. Auch die prognostizierte Zunahme des Schwerlastverkehrs durch die steigende Logistik stellt eine unzumutbare Härte für die Menschen in Dänischburg und Siems dar. Die Sorgen der Anwohnenden auf beiden Seiten der Trave sind nachvollziehbar und sollten in der Entscheidung der Planfeststellungsbehörde entsprechende Gewichtung erhalten.“
Nelly Waldeck ergänzt: „Aus landespolitischer Sicht stellt sich zunehmend die Frage nach der Notwendigkeit dieses Projekts. Trotz des leichten Zuwachses des Seegüterumschlags am Port of Lübeck im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr, erwartet die Seeverkehrsprognose des Bundes für 2040 kein nennenswertes Wachstum des Hafenstandort. Da derzeit der Großteil des Umschlags in Lübeck im RoRo-Verfahren (Roll-on/Roll-off durch Trägerfahrzeuge) erfolgt, kann eine erhebliche Beeinträchtigung der Nachfrage durch die Eröffnung des Fehmarnbelt-Tunnels angenommen werden. Die für die Wirtschaftlichkeit des Hafenstandorts gewünschte Vertiefung der Trave ist zudem nicht absehbar.
Der Ausbau des Lehmannkais 1+ folgt daher einer hier nicht nachvollziehbaren Erwartung weiteren Wachstums im Güterumschlag und missachtet einen ausreichenden Schutz der Anwohnenden. Zusätzlich finden ökologische und klimapolitische Aspekte in der Planung keine angemessene Berücksichtigung. Statt neue Kapazitäten zu schaffen, brauchen wir in Schleswig-Holstein eine nachhaltige Hafenstrategie, die unter Einbindung der lokalen Bevölkerung und natürlichen Schutzgüter die bestehende Infrastruktur modernisiert und effizient nutzt. Die wirtschaftlichen Interessen eines privaten Investors sollten hier nicht einseitig über den Schutz von Lebensräumen, Klima und unseres kulturellen Erbes gestellt werden.”

Gemeinsam mit Nelly Waldeck (MdL) und Axel Flasbarth (MdBü) informieren wir uns in Gothmund über die die Geschichte des Fischereidorfs und die Bedeutung des Schellbruchs.